„Ich brenne für das Ehrenamt“

Die rheinland-pfälzische Unternehmerin Maren Bott aus Guldental bei Bad Kreuznach ist große Verfechterin des dualen Ausbildungssystems. Nach ihrem Abitur wollte sie nicht studieren und entschied sich stattdessen für eine duale Berufsausbildung zur Reiseverkehrskauffrau. Zwei Fortbildungen später leitet die Mittvierzigerin mittlerweile das familieneigene Bauunternehmen. Maren Bott weiß: „Es gibt nicht den einen Weg. Ich habe all das erreicht, was ein anderer, der studiert hat, letztendlich auch gemacht hat – aber anders.“ Deshalb setzt sie sich an weiterführenden Schulen für die duale Berufsausbildung ein und engagiert sich als ehrenamtliche Prüferin bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer. Dort nimmt sie eine besondere Rolle ein: Sie prüft angehende Ausbilderinnen und Ausbilder und sichert somit die Qualität der dualen Berufsausbildung in Betrieben unterschiedlicher Branchen.


Was machen ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer?

Ehrenamtliche Prüferinnen bzw. Prüfer sind stets Teil einer Prüfungskommission, die sich in der Regel aus einer Berufsschullehrkraft sowie je einer Vertreterin bzw. einem Vertreter sowohl der Arbeitnehmerseite als auch der Arbeitgeberseite zusammensetzt. Maren Bott und ihre Mitprüfenden betreuen die Eignungsprüfung der Ausbildung zum Ausbilder/zur Ausbilderin, kurz AdA-Schein. Diese ist in einen praktischen und einen theoretischen Part gesplittet. „Der Prüfling hält eine Präsentation, wie er oder sie den Auszubildenden eine Tätigkeit beibringt oder ein Fachgespräch führt“, erklärt Maren Bott. Während der Prüfung achtet die Unternehmerin insbesondere auf einen menschlichen Umgang: „Diejenigen, die vor uns sitzen, wollen ja Ausbilder oder Ausbilderin werden. Geht er oder sie genug auf die Auszubildenden ein? Kann sie oder er etwas vermitteln? Oder kann man noch einen Anstoß geben, wie man es besser machen könnte?“

Die Unternehmerin erzählt: „Ich kriege gar nicht mehr alle Berufe zusammen, in denen ich schon die Prüfung mithalten durfte. Der AdA-Schein ist immer aufregend, weil in jedem Beruf ein Ausbilder oder eine Ausbilderin gebraucht wird.“


Perspektivwechsel: Von der Geprüften zur Prüferin

Seit über zehn Jahren unterstützt Maren Bott die IHK Bad Kreuznach als Prüferin. Nach ihrer eigenen dualen Ausbildung in einem Reisebüro lockte ihr Vater sie zunächst zurück in den Familienbetrieb. Gleichzeitig begann sie an der IHK die berufsbegleitende Fortbildung zur Handelsfachwirtin, die sich über drei Jahre erstreckte. Im Anschluss bildete sich die motivierte Rheinland-Pfälzerin zur Geprüften Betriebswirtin (IHK) weiter. Etwa ein halbes Jahr nach ihrer letzten eigenen Prüfung wurde sie von der Industrie- und Handelskammer angefragt, ob sie nicht selbst Prüferin sein wolle. Maren Bott begriff die Anfrage als Chance, etwas von ihren eigenen positiven Erfahrungen zurückzugeben. „Ich bin ein Mensch, der immer Prüfungsangst hatte. Jetzt auf der anderen Seite zu sitzen und zu versuchen, den Leuten die Prüfungsangst zu nehmen und ein Gefühl von Sicherheit zu geben, das ist mein Thema“, begründet die Unternehmerin ihre Motivation.


Welche Voraussetzungen umfasst das Prüferehrenamt?

Neue, ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer mit fachlicher Kompetenz und Praxiserfahrung werden kontinuierlich gesucht. Berufsschulkräfte können ihr Interesse zu prüfen einfach der Schulleitung mitteilen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer melden sich für das Ehrenamt bei ihrer jeweiligen Einzelgewerkschaft. Interessierte Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können sich direkt an die örtliche IHK, Handwerkskammer beziehungsweise jeweilige Berufskammer wenden. Die zuständigen Stellen koordinieren nicht nur die Abfrage der Verfügbarkeit für konkrete Prüftermine, sondern sorgen mit Weiterbildungsangeboten auch für die ideale Vorbereitung der ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer. Das 2020 in Kraft getretene novellierte Berufsbildungsgesetz brachte zudem Verbesserungen für die Durchführung von Prüfungen mit sich, so dass das Ehrenamt noch flexibler in den Berufsalltag der Prüferinnen und Prüfer integriert werden kann. Von der Flexibilität profitiert auch Maren Bott. Zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als IHK-Prüferin engagiert sie sich noch in anderen gesellschaftlichen Bereichen. „Ich bin ein Paradebeispiel für das Ehrenamt – quasi überall engagiert“, sagt die Powerfrau. Doch die duale Berufsausbildung liegt ihr besonders am Herzen: „Ich finde es ganz wichtig, dass es weiterhin Menschen gibt, die sich engagieren und aufzeigen, dass die Lehre eine gute Alternative zum Studium ist.“